Felix Wesch | Natur- und Landschaftsfotografie

Nebel - Teil 2: Praxis

Letzten Herbst habe ich den ersten Teil zum Thema "Nebel" veröffentlicht, die Theorie. Weil sich der Frühling langsam aber (zum Glück) unaufhaltsam nähert und damit endlich auch wieder vermehrt morgendliche Nebelstimmungen auftreten werden, folgt jetzt der praktische, der fotografische Teil. Nun könnte man sich natürlich fragen, wozu es überhaupt einen praktischen Teil zu dem Thema braucht? Und ja, ertens ist es ja leicht direkt auf dem Display nachzuschauen was man da gerade fotografiert und zweitens unterscheidet sich das Fotografieren eines Motivs im Nebel jetzt nicht so stark von der Fotografie des selben Motivs ohne Nebel, aber ein paar Feinheiten gibt es doch...

Brennweite und Nebel

Angenommen, das Motiv steht fest, das Wetter hat sich endlich erbarmt und der Nebel ist damit auch vorhanden. Und dann: Der Nebel ist einfach zu dicht oder nicht dicht genug? Über die Brennweite kann man die Wirkung des Nebels zumindest ein bisschen beeinflussen. Zu dicht? Einfach weniger Brennweite verwenden und näher ans Motiv ran. Klar, dadurch kommt mehr von der Umgebung mit aufs Foto und deshalb ist das nicht immer eine Option, aber manchmal zum Glück doch! Analog dazu, wenn der Nebel ist nicht dicht genug ist einfach weiter weg vom Motiv. Wie schon geschrieben, ist nicht immer eine Option, aber falls es geht, einfach mal ausprobieren!

Farben und Helligkeit

Nebel ist immer grau? Ha! Genau wie Schnee immer weiß ist, oder? Nein! Natürlich nicht. Auch abseits der teilweise netten Lichtstimmungen, die Nebel bei tiefstehender Sonne am Morgen oder Abend hervorzaubern kann und bei denen der Nebel alles andere als trist und grau wirkt, ist Nebel nicht immer unbedingt grau. Man sollte auf keinen Fall versuchen des Realismus wegen Nebel auf Fotos in Richtung grau zu trimmen. Manchmal ist das durchaus passend, aber nicht immer!

Fotos im Nebel eignen sich sehr gut dazu Stimmungen mit Hilfe des Weißabgleichs zu verstärken. Im farbigen Herbstwald z.B. kann es sinnvoll sein auszuprobieren, ob eine Verschiebung des Weißabgleichs zu wärmeren Farbtemperaturen nicht doch überzeugendere Ergebnisse bringt. Früh am Morgen im Wald kann es dagegen angebracht sein, den Weißabgleich in Richtung kältere Farbtemperatur zu verschieben um ein stimmigeres Resultat zu bekommen.

Genauso ist es nicht unbedingt ratsam, sich auf die Belichtungsmessung der Kamera zu verlassen. Eine Winterstimmung mit Bäumen im Nebel kann z.B. dadurch verstärkt werden, dass man lange genug belichtet um Schnee und Nebel richtig weiß werden zu lassen (und achja, ein paar überbelichtete Stellen haben noch niemanden umgebracht ;) ). Morgens im Wald dagegen ist es nicht falsch, wenn man nicht so lange belichtet, dass alles taghell wirkt. Wie üblich: Zum Glück lässt sich das ja heutzutage einfach direkt vor Ort mit Hilfe des Kameradisplays ausprobieren...

Bearbeitung

Die Bearbeitung ist meiner Meinung nach der wichtigste Punkt. Abgesehen vom schon erwähnten Weißabgleich, lässt sich mit der Bearbeitung von Kontrasten, Lichtern, Tiefen und vor allem direkt am Histogramm verdammt viel machen. Und weil's deutlich einfacher ist, das anhand von Beispielen zu zeigen, versuche ich gar nicht erst viel Text dazu zu schreiben, sondern zeige es hier direkt anhand von Beispielfotos. Doch zuvor noch ein paar Dinge, die allgemein bei der Bearbeitung zu beachten sind:

Gerade bei der Verstärkung des Kontrastes (egal ob direkt über den Kontrastregler oder via Tonwertkorrektur), verstärken sich auch etwaige Vignettierungen des Objektivs recht stark. Sollte man nicht vergessen zu beheben. Außer natürlich, die Vignettierung ist für die Stimmung des Bildes zuträglich!

Auch das Bildrauschen wird durch die Bearbeitung natürlich verstärkt. Deshalb ist es sinnvoll möglichst technisch optimal zu fotografieren. Also eher reichlich belichten und lieber hinterher etwas abdunkeln und nicht unnötig die ISO-Werte hochstellen...

Jetzt aber zu den Beispielen... Vorher-Nachher mit kurzer Beschreibung der Bearbeitung (Angaben basierend auf Lightroom):


Schwäne im Nebel


Bearbeitung:
Belichtung: -0,92
Kontrast: +100
Lichter: +100
Tiefen: -100
Zusätzlich: Etwas beschnitten und Weißabgleich in Richtung kühler angepasst.

Warum die Bearbeitung?
Was die Stimmung betrifft, kam mir in dieser Situation die deutlich kühlere Abstimmung des Bildes viel passender vor, als die vielleicht realistischere Situation, die ein "passenderer" Weißabgleich rüber gebracht hätte. Die Vignettierung, die das Bild nach der Bearbeitung hat, enstand durch die Kontrastverstärkung und die Bearbeitung der Lichter und Tiefen. Wäre leicht zu beheben gewesen, fand (und finde ich noch immer) aber ebenfalls stimmungsfördernd.



Morgennebel im Eichenwald


Bearbeitung:
Belichtung: -1,32
Lichter: +32
Zusätzlich: Etwas beschnitten und Weißabgleich in Richtung kühler angepasst, Lichter im oberen mittigen Bereich verstärkt

Warum die Bearbeitung?
Ich bin mir nicht mehr 100%ig sicher, aber ich glaube hier habe ich aus Versehen den automatischen Weißabgleich werkeln lassen. Das linke Bild zeigt also das, was die Kamera hier für die Realität erachtet hat. Die Wirklichkeit sah, zumindest für mich allerdings farblich deutlich kühler, also mehr ins Blau verschoben, aus.



Frühherbst im Wald


Bearbeitung:
Belichtung: -0,16
Kontrast: +100
Lichter: +100
Zusätzlich: Etwas beschnitten und Weißabgleich in Richtung kühler angepasst

Warum die Bearbeitung?
Hier habe ich den Weißabgleich in der Kamera schon sehr warm eingestellt gehabt. Nach der Verstärkung des Kontrasts, war's mir dann sogar zu viel des Guten. Daher habe ich die Farbtemperatur auch hier etwas in Richtung kühlere Farben verschoben.



Herbst im Wald


Bearbeitung:
Kontrast: +55
Zusätzlich: Etwas beschnitten und Weißabgleich in Richtung kühler angepasst, Sättigung für Gelb und Blau erhöht, Lichter verstärkt und Kontrast erhöht im oberen mittigen Bereich

Warum die Bearbeitung?
Auch hier war das, was die Kamera gesehen hat und das, was ich erlebt habe, ein gutes Stück voneinander entfernt. Um die Stimmung auf dem Foto näher an das zu bringen, was ich erlebt habe, habe ich hier bei der RAW-Entwicklung den Weißabgleich etwas kühler gewählt und um die Farbe des Nebels und des Laubes zu betonen, zusätzlich die Sättigung der Gelb- und Blautöne erhöht.



Winter am gefrorenen See


Bearbeitung:
Belichtung: -0,24
Kontrast: +100
Sättigung: -38
Tonwertkorrektur: Lichter +93, Helle Mitteltöne -8, Dunkle Mitteltöne -100, Tiefen 0
Zusätzlich: Weißabgleich in Richtung kühler angepasst

Warum die Bearbeitung?
Die Kontrastverstärkung und Tonwertkorrektur war nötig, damit Bäume im Mittelgrund überhaupt erst richtig sichtbar werden. Und weil die Farbsituation grau in grau etwas arg trist wirkte und es vor Ort verdammt kalt war und ich dieses Gefühl ein bisschen auf das Foto übertragen wollte, passte auch hier die Verschiebung des Weißabgleichs in Richtung kühlere Farben.


Zusammenfassend...

Nebel ist super und lässt ziemlich viele Fotos deutlich spannender wirken. Mit etwas Bearbeitung und Mut zum "falschen" Weißabgleich kann man viel hinbekommen. Wie üblich ist einfach ausprobieren angesagt. Egal ob vor Ort oder Hinterher bei der RAW-Entwicklung. Der nächste Nebel kommt bestimmt, ab nach draußen!


14. Februar 2018

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