Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

walimex Pro 135mm T2.2 bzw. F2.0

Jedes Jahr im Frühling, immer wenn die Orchideensaison gerade in den Anfängen steht, kommen bei mir sanfte Zweifel darüber auf, ob ich mir mit dem zwar nicht wirklich kleinen, aber doch relativ kleinen Sensor meiner Micro Four Thirds Kamera nicht unnötig viele Steine in den Weg lege, was die (bzw. meine Art von) Fotografie von Orchideen betrifft.

Mögliche Lösungen: Eine Kamera mit größerem Sensor(*), ein Objektiv mit größerer Öffnung bei passender (Tele)Brennweite oder - am besten - eine Kombination aus beidem. Einfach so weiter machen wie bisher wäre natürlich auch eine Lösung, hat ja auch meistens ganz gut funktioniert. Aber auch ich bin nicht gefeit was das Verlangen nach immer neuer Ausrüstung betrifft...

(*) Die Sony A7 wird ja auch immer billiger...

Schon seit den ersten Tests des Samyang 135mm F2.0 dachte ich darüber nach dem guten Stück eine Chance zu geben. Unter anderem auch deshalb, weil es sich bei dem Teil um ein auch an Vollformatkameras passendes Objektiv handelt. Mit dem richtigen Bajonett passt es also entweder direkt oder via Adapter auch an Kameras mit größerem Sensor (wie z.B. schon genannte Sony A7).


Und jetzt, die Orchideensaison hat gerade angefangen, kam diese Phase des Zweifelns wieder und dann gab es da ein Angebot, das ich einfach nicht ablehnen konnte. Zwar ist es nicht die Foto-, sondern die Videoversion des Objektivs und der Anschluss ist für Pentax K und nicht für irgendein populäreres Bajonett, aber ernsthafte Probleme sind das beides nicht... Achja, außerdem ist es nicht von Samyang sondern von walimex Pro, aber auch das ist kein Problem: Ist genau dasselbe. Samyang stellt auch noch für ein paar andere Hersteller die Objektive her, wird dann halt umgelabelt und sieht vom Design her etwas anders aus, also außenrum. Aber es kommt bei Objektiven ja wirklich mehr auf die inneren Werte an.

Das Objektiv...

... ist ein komplett manuelles. Weder gibt es einen Autofokus, noch werden irgendwelche Daten an die Kamera übertragen. Von der Verarbeitung her wirkt es ziemlich stabil, vertrauenerweckend. Abgedichtet ist es nicht, aber es scheint auch nicht so, als ob ihm ein paar Regentropfen etwas anhaben können. Und Elektronik ist ja sowieso keine drin...

Wie schon erwähnt: Ich habe mir die Videoversion gekauft. Wenn man davon absieht, dass die Lichtstärke bei der Version in T und nicht in F angegeben wird (also gemessen und nicht errechnet, deshalb auch der Unterschied mit T2.2 und F2.0 - mehr dazu zum Beispiel hier), liegen die Unterschiede darin, dass die Blende stufenlos verstellt werden kann (ohne das typische Klicken und mit sozusagen unendlich vielen Zwischenschritten) und natürlich direkt sichtbar am Gehäuse des Objektivs: Zahnkränze zum Verstellen des Fokus bzw. der Blende. Ist nicht unbedingt die ergonomischste Version um Einstellungen vorzunehmen, aber wirklich störend scheint es (bisher) auch nicht zu sein. Zusätzlich ist der Fokusweg wohl länger, was mir allerdings entgegen kommt, da ich sowies nur im Nahbereich damit fotografieren will.

Die technischen Daten: Abgesehen von der schon bekannten Brennweite und Lichtstärke: Mit meinem Pentax K - Micro Four Thirds Adapter, Sonnenblende und den beiden Objektivdeckeln an Bajonett und Frontlinse bringt das gute Stück 989g auf die Waage. Woah. Schöner Brummer.

Die (mitgelieferte) Sonnenblende ist ein typisches Plastikmodell mit Bajonettanschluss. Wirkt im Vergleich zum Rest des Objektivs vielleicht ein bisschen billig, aber trotzdem recht vertrauenserweckend. Abgesehen von der Sonnenblende und den beiden Objektivdeckeln befindet sich auch noch ein Stoffbeutel für das Objektiv im Lieferumfang.

Wenn ich jetzt nichts Wichtiges vergessen habe, sollte es das auch schon gewesen sein mit der Theorie (falls ich was vergessen habe, werde ich das aber nachliefern). Interessanter ist ja sowieso die Praxis...

In der Praxis...

Wirklich verwendet habe ich das Objektiv noch nicht, aber was mir in den ersten Tests aufgefallen ist: Scheint gut zu sein! Naja, war ja auch so zu erwarten wenn man sich bisherige Test- und Erfahrungsberichte so durchgelesen hat. Offen schon richtig scharf (wobei ich das seit ich das Micro Four Thirds System verwende irgendwie auch so gewohnt bin ;) ) und dank Focus Peaking und/oder Sucherlupe der Kamera auch bei Offenblende gut zu handlen.

Von meinen weiteren Erfahrungen werde ich in der kommenden Zeit berichten. Wie schon geschrieben, die Orchideenzeit hat ja gerade angefangen!

Teil 2 - Erste Eindrücke (4. Mai 2016)

Inzwischen habe ich zwei "richtige" - wenn auch eher kurze - Ausflüge mit dem Objektiv gemacht. Der richtige Zeitpunkt um wieder ein paar Worte zum Objektiv zu verlieren.

Also ja, es ist wirklich gut und es macht richtig Spaß es zu verwenden. An meiner E-M1 ist auch die Größe des Objektivs überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, es wirkt so richtig wie dafür gemacht. Die Kombi wird zwar etwas kopflastig, aber mit einer Hand wird man das Objektiv ja sowieso nicht verwenden, schon alleine deshalb nicht, weil das mit dem Scharfstellen dann etwas problematisch werden dürfte... ;)

A propos Scharfstellen: Das Verstellen von Blende und Fokus geht auch mit den Zahnkränzen recht gut von der Hand. Wirkt so richtig schön "satt" wenn man an den beiden Teilen Einstellungen vornimmt. Nicht ganz optimal: Von oben auf das Objektiv geschaut lässt sich nicht wirklich ablesen welche Blende man eingestellt hat bzw. in welcher Entfernung der Fokus gerade liegt. Die Skalen sind an der Seite (bzw. im Falle der Blendenwerte an beiden Seiten) des Objektivs angebracht. Wirklich störend ist das allerdings nicht: Beim Fokus wird man sich ja sowieso eher selten auf die Skala verlassen, bei der Blende hat man schnell den Dreh raus.

Wie schon geschrieben: Vor allem dank Liveview ist das Scharfstellen im Praxiseinsatz kein Problem. Das Fokuspeaking (zumindest das meiner E-M1) ist bei Offenblende für meinen Geschmack allerdings nicht genau genug. Vielleicht muss ich mich auch noch daran gewöhnen.

Wirklich technische Schärfetests habe ich bisher keine gemacht, vermutlich werde ich die auch nicht machen. Allerdings gefällt mir das, was ich bisher gesehen habe sehr gut. Sowohl im Nah- als auch im Fernbereich ist das, was in der Schärfeebene liegt, richtig schön scharf. Auch bei Offenblende!

Zum Bokeh kann ich jetzt noch nicht all zu viel sagen, da mangelt es mir noch an Aufnahmen. Mein erster Eindruck ist allerdings positiv. Lichter im Unschärfebereich werden schön gezeichnet: Ruhig, unauffällig und vor allem komplett ohne irgendwelche Anwandlungen von Farbsäumen. Überhaupt fällt auf, dass es keinerlei Farbsäume zu geben scheint. Und das, obwohl bei dem Objektiv natürlich (es gibt ja keinerlei Datenübertragung zwischen Objektiv und Kamera) keine kamerainterne Bearbeitung stattfindet, wie sie sonst bei den meisten Micro Four Thirds Objektiven üblich ist.

Soviel dann vorerst zu den ersten Eindrücken. Als nächstes dann hoffentlich mehr Fotos im Nahbereich, Orchideen! Und damit dann auch mehr zum Freistellvermögen des Objektivs an Micro Four Thirds, zum Bokeh und dann auch zur Schärfe. Bin schon gespannt!

Teil 3 - Zweite Eindrücke (10. Mai 2016)

Ok, jetzt hatte ich mehr als genug (aber natürlich trotzdem noch nicht wirklich genug) Möglichkeiten das Objektiv zum Fotografieren von Orchideen zu verwenden. Was soll ich da jetzt viel schreiben? Hier ein 100% Ausschnitt eines Fotos gemacht mit meiner E-M1...


Es ist einfach scharf. Das Foto oben ist mit Offenblende gemacht. Die technischen Daten allgemein waren dann sozusagen F2.0 bzw T2.2, ISO 200 und 1/1250s. Übrigens auch recht praktisch: Mit der Blendenöffnung kann man auch im Morgen- bzw. Abendlicht noch gut Fotos ohne Stativ machen (erst recht mit einem guten kamerainternen Bildstabilisator).

Eigentlich wollte ich ja jetzt auch noch ein paar Sätze zum Thema "Freistellvermögen" loswerden. Ich tue mir ehrlich gesagt noch etwas schwer. Vor allem deshalb, weil ich mir immer "mehr" wünschen würde. Aber halt auf eine eher unrealistische Art und Weise. So auf die Art, dass genau der Bereich scharf ist, den ich scharf haben will und alles andere dann schön in der Unschärfe verschwindet. Komplett die Regeln der Physik vergessend. Ich denke ja, dass es in Wirklichkeit so ist, dass das, was jetzt mit dem Objektiv nicht gescheit zu fotografieren ist, in Wirklichkeit einfach gar nicht auf die Art zu fotografieren ist, wie ich es mir vorstelle. Also es liegt dann einfach an den Begebenheiten vor Ort und nicht mehr an irgendwelchen technischen Unzulänglichkeiten? Vor allem fehlt es mir aber an den Vergleichsmöglichkeiten... ;)

Zum Thema Bokeh, auch was den Vergleich zu anderen Objektiven betrifft, dann demnächst eine Fortsetzung...

Teil 4 - Dritte Eindrücke (12. Juli 2016)

Eigentlich wollte ich ja jetzt die ganze Zeit einen Vergleich mit anderen Objektiven machen. Aber wow, das ist einfach sowas von gar nicht mein Ding... Vielleicht werde ich es trotzdem noch irgendwann nachholen, ein paar Vergleichsobjektive hätte ich ja. Interessanter ist aber fast, wie sich die Freistellung damit im Vergleich von MFT (2x Crop) zu APS-C bzw. Vollformat verhält. Das wäre vielleicht wirklich eine Artikelerweiterung wert.

Inzwischen würde ich ja behaupten, dass ich das Objektiv lange genug in Verwendung habe um mir ein ziemlich endgültiges Urteil zu erlauben: Es ist genial! Ich habe nicht das Gefühl, dass ich jemals wieder ein anderes Objektiv für Orchideenfotos kaufen muss. Und viel mehr kann ich ja nicht erwarten.

Hier noch ein paar der Fotos, die ich in letzter Zeit damit gemacht habe:


Durchaus in Ordnung, würde ich mal meinen. Dieser Tage werden dann die Breitblättrigen Stendelwurzen anfangen zu blühen. Mal sehen ob es klappt den Plan mit dem Sensorgrößenfreistellungsvermögensvergleich zumindest teilweise umzusetzen. APS-C vs. MFT, das wäre ja fast interessant!

Links:
Samyang Deutschland
walimex Pro
26. April 2016

Zurück zum Anfang Zurück zur Übersicht