Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

Die Sigma DP1

Sigma DP1, hört sich jetzt mal wirklich nach nichts besonderem an. DP? Vielleicht so viel wie Digital Pocketable, was es genau bedeutet weiß ich garnicht, ist an sich ja auch ziemlich egal. Zumindest ist die DP1 eindeutig klein.

Wobei es wirklich massenweise noch (viel) kleinere Kameras gibt (kann man die eigentlich noch bedienen?). Und dazu, die DP1 hat nicht einmal ein Zoomobjektiv. Nur eine Festbrennweite mit 16,6mm, umgerechnet auf Kleinbildformat dem Blickwinkel von 28mm entsprechend. Dazu, trotz Festbrennweite nicht einmal lichtstark das Objektiv, Blende 4 ist Offenblende. Für diese Daten ist das Objektiv für Kompaktkameraverhältnisse allerdings ziemlich groß, geradezu riesig, und das ist dann auch direkt der Hinweis darauf, was die Kamera zu etwas Besonderem macht. Sie hat einen für Kompaktkameraverhältnisse ebenso riesigen Sensor. War ja auch langsam wirklich mal Zeit für sowas.

Komisch nur, dass keiner der "großen" Kamerahersteller wie Nikon oder Canon sowas zustande bringt bzw. gebracht hat. Sony hatte sowas ja mal mit der R1. Blöd nur, dass die nicht wirklich kompakt war, sondern nur ein festes (und riesiges), wenn auch einigermaßen lichtstarkes und weitwinkliges Zoomobjektiv hatte, 24-120mm (auf KB bezogen) mit f2.8-4.8 waren geboten. Die Sigma DP1 dagegen besitzt, wie gesagt, nur eine 28mm entsprechende Festbrennweite mit maximal f4.0.

Ok, das sagt jetzt noch nicht viel über die Kompaktheit der Kamera aus. Deshalb hier einfach mal ein Vergleichsfoto. Links die DP1, daneben die SD14 mit 14mm f2.8 Objektiv, rechts neben der SD14 die voluminöse SD9. Sie ist also wirklich nicht gerade groß die DP1, hat aber halt auch kein lichtstarkes Objektiv, stellt sich die Frage ob man sowas überhaupt braucht?! Gerade mal 270g bringt sie mit Akku auf die Waage. Eigentlich doch eher leicht und klein für eine Kamera mit so einem großen Sensor, hab ich eigentlich schon erwähnt, dass der Sensor wirklich groß ist? So richtig groß?

Aber was hat man denn eigentlich von einem großen Sensor, also abgesehen davon, dass die Objektive bei gleicher Lichtstärke größer werden müssen? Da wäre zum Beispiel die viel bessere Möglichkeit zum Freistellen von Motiven. Dazu dann eine an sich viel bessere Bildqualität durch vor allem weniger Bildrauschen. Jetzt sind allerdings die Sigma DSLRs (SD9, SD10, SD14) mit ihren Foveonsensoren zumindest nicht für ihre Rauscharmut bei hohen ISO-Empfindlichkeiten bekannt. Besonders die SD9 war da ja eher, nun ja, interessant (um es mal positiv auszudrücken) zu benutzen und bot sowieso nur ISO100 bis 400. Die SD10 hat das schon verbessert und ging dementsprechend auch schon DSLR-üblich bis ISO1600, war in dem Bereich allerdings mehr schlecht als recht verwendbar (auch wenn es immer Stimmen gab/gibt, die das bezweifeln bzw. bezweifelten). Mit der SD14 hat sich das wieder ein Stück weit verbessert, die bietet, als aktuell aktuellstes DSLR-Modell von Sigma, ISO50 bis 1600. So wirklich zufriedenstellend sind die höher empfindlichen Bereiche allerdings immer noch nicht. Macht aber ja auch nix, man muss halt wissen was man will.

Wieso das ganze Blahblah? Na ganz einfach deshalb, weil die DP1 den Sensor der SD14 benutzt (mehr oder weniger, über die genauen Details weiß ich wirklich nicht Bescheid und, wenn ich ehrlich bin, interessiert es mich auch nicht unbedingt gesteigert). Im Gegensatz zur SD14 kann man (zumindest bisher, gibt sicher/vielleicht irgendwann ein Firmwareupdate) mit der DP1 bisher nur ISO100 bis 800 benutzen.

Was kann man denn jetzt mit der DP1 überhaupt fotografieren? Gute Frage.

Also erstmal das Negative... Mit Freistellen von irgendwelchen Motiven ist es nicht weit her. Es ist zwar nicht unmöglich, aber zumindest sehr schwer umzusetzen. Kein Wunder bei einer realen Brennweite von 16,6mm bei Blende 4. Schwer ist es auch Makros zu machen, zum einen natürlich, weil sich Weitwinkelobjektive dazu sowieso nicht unbedingt wirklich eignen, zum anderen, weil die DP1 eine Nahgrenze von 30cm besitzt und man damit, in Verbindung mit dem Weitwinkelobjektiv, eigentlich so wirklich gar nichts als Makro fotografieren kann.

Aber das, was man damit wirklich einfach nur genial fotografieren kann, das sind Landschaften. Also, natürlich nicht automatisch genial, aber wenn man's kann, dann legt einem die DP1 keine Hürden ("keine" ist natürlich übertrieben, dazu später mehr) in den Weg. Mit was die DP1 nämlich wirklich glänzt, das ist die Bildqualität bei ISO100 - und was anderes braucht's für Landschaftsfotos nun wirklich nicht (normalerweise). Klar, das macht ein Stativ nötig, aber das ist ja bei dem Gewicht der DP1 nicht weiter tragisch, da reicht was kleines, leichtes.

Doch genug geredet, jetzt wären ein paar Beispiele angebracht.

Das Bild rechts hab ich morgens nach Sonnenaufgang in der Wiener Lobau aufgenommen - im RAW Format, alles andere macht keinen Sinn (zumindest ist das meine Erfahrung mit der SD14 und auch mit der DP1, außerdem will ich sowieso die Kontrolle über die Bilder selber haben und sie nicht der kamerainternen Vermurksung überlassen). Fotografiert natürlich vom Stativ und bei ISO100. Abgeblendet hab ich bis f9.0 - die Kombination ergab eine Belichtungszeit von 1/6 Sekunde. Zusätzlich hab ich bei der Aufnahme, um den Kontrastumfang zu handhaben, einen Cokin Grauverlauf benutzt (P121).

Man erkennt natürlich jetzt an dem kleinen Bild nicht besonders viel was die technische Qualität des Bildes betrifft, deshalb hab ich zwei 100% Ausschnitte aus dem Bild hochgeladen: Einen aus dem Zentrum, den anderen aus der rechten, unteren Ecke. Das Bild aus dem der Ausschnitt ausgeschnitten ist, hab ich mit der aktuellsten Windowsversion des Sigma Rawkonverters, Sigma Photo Pro 2.5 konvertiert. Alle Einstellungen (Schärfe, Kontrast... etc.) hab ich dabei auf Null stehen lassen.

Also ich für meinen Teil bin immer wieder begeistert von der Detailschärfe, die der Foveonsensor zustande bringt (auch wenn ich das ja eigentlich schon von der SD9 und der SD14 her kenne... ;) ). Klar, im Endeffekt kommt zwar "nur" ein Bild mit 2640x1760 Pixeln aus der Kamera, aber das sagt ja glücklicherweise rein garnichts über die wirkliche Auflösung aus. Genial finde ich im Fall der DP1 auch die Objektiv-Sensor-Kombination, es gibt keine Randunschärfen, keine störenden Farbsäume oder ähnliches. Auch wirklich schön ist die mehr oder weniger komplette Rauschfreiheit der Bilder wenn man ISO100 benutzt. Höhere Empfindlichkeiten habe ich bisher nicht benutzt und werde es wohl auch nie machen. Stativ ist bei den Aufnahmen die ich mache ja sowieso Pflicht.

Halt! Wenn ich sowieso ein Stativ mitschleppe, wozu denn dann bitte eine kompakte Kamera? Da kann man doch gleich die große (SD14) mitnehmen. Stimmt theoretisch, praktisch kann man aber halt ein viel leichteres Stativ benutzen. Nur, wann kommt es (mir) denn wirklich auf den Unterschied von geschätzen 3kg Gepäck an? Ehrlich gesagt, ich überlege auch noch, aber ich könnte mir vorstellen, dass ich auf ein paar Bergtouren, auf denen es mehr um Berge als um Fotografieren geht, einfach nur die DP1 mitnehmen werde und die SD14 erstmal zu Hause bleiben darf.

Um mal zusammenfassend ein Fazit zu bringen und dem ganzen Gelaber ein Ende zu machen: Die DP1 ist langsam, unflexibel und gewöhungsbedürftig. Aber, das, was sie eigentlich können muss, also Fotos machen, das kann sie wirklich einfach nur sehr gut. Scharf, tolle Farben, kaum Rauschen - das alles ist doch an sich auf was es ankommt. Und da glänzt sie, die DP1.

Nachtrag: 12. Juni 2008:
Seit heute gibt es ein Firmwareupdate für die DP1 mit welchem unter anderem der Empfindlichkeitsbereich im unteren Bereich auf ISO50 erweitert worden ist: Klick mich an.

Links:
Sigma DP1
Sigma DP1 @ Sigma Deutschland

5. Mai 2008

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