Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

Sigma 8-16mm: Richtig viel Weitwinkel

Ich gestehe, ich bin weitwinkelsüchtig. In der Landschaftsfotografie kann ich's häufig gar nicht weitwinklig genug haben. Die Möglichkeiten eher enge Landschaften richtig offen zu gestalten, sind mit viel Weitwinkel einfach viel größer. Bis vor kurzem war die weitwinkligste Objektivoption von bzw. für Sigma eines der beiden 10-20mm Zooms, bei 10mm Brennweite einem diagonalen Bildwinkel von 102,4° (an einer Sigma DSLR) entsprechend. Eine ganze Menge eigentlich. Trotzdem gab es schon Situationen in denen ich gerne mehr Weitwinkel benutzt hätte. Sicher, Panoramen wären manchmal machbar, in seltenen Fällen wäre vielleicht sogar die Verwendung eines Fisheyeobjektivs (gibt's bis 4,5mm Brennweite) eine Möglichkeit gewesen. Wirklich interessant fand ich persönlich keine der beiden Möglichkeiten.


Lacke im Seewinkel @ 8mm


Glücklicherweise hat Sigma da jetzt auch eine Lösung im Angebot: Das Sigma 8-16mm F4,5-5,6 DC HSM. Auch wenn die 2mm Differenz der Brennweite sich nicht nach einem großen Unterschied anhören: Gerade im extremen Weitwinkelbereich macht es doch enorm viel aus. Bei 8mm entspricht der diagonale Bildwinkel immerhin schon satten 114,5° (im Vergleich zu den schon genannten 102,4° bei 10mm). Doch dazu später mehr, zuerst noch eine kurze Vergleichstabelle zwischen den drei für Sigmakameras interessanten Superweitwinkelzooms (Daten von Sigma Deutschland):

  8-16mm F4,5-5,6 DC HSM 10-20mm F4,0-5,6 EX DC HSM 10-20mm F3,5 EX DC HSM
Bildwinkel 114,5° - 75,7° 102,4° - 63,8° 102,4° - 63,8°
Abmessungen ca. 75 x 105,7 mm ca. 83,5 x 81 mm ca. 87,3 x 88,2 mm
Gewicht ca. 545 g ca. 465 g ca. 520 g
Nahgrenze 24 cm 24 cm 24 cm
Filtergewinde kein Gewinde 77 mm 82 mm

Neben dem Brennweitenunterschied ist beim 8-16er hauptsächlich das Fehlen des Filtergewindes auffällig. Grund ist die gewölbte Frontlinse. Das macht zumindest die Verwendung von Schraubfiltern mehr oder weniger unmöglich. Um den Polfilter wird's nicht unbedingt schade sein, der wird bei 8mm sowieso oft nur beschränkt brauchbar sein, Graufilter sind allerdings schon manchmal ganz praktisch. Zur Not könnte man sich aber bestimmt einen Adapter basteln, der zumindest rechteckige Filter (Cokin und co) möglich machen würde.

Die Sonnenblende ist beim 8-16er fest integriert, lässt sich also nicht abnehmen (was ebenfalls der gewölbten Frontlinse geschuldet ist). Wegen der fixen Sonnenblende ist das Objektiv auch im "eingepackten" Zustand länger als die beiden 10-20er. Mit aufgesetzten Sonnenblenden sind die Unterschiede nicht mehr groß.

Hier ein kurzer fotografischer Größenvergleich zwischen Sigma 8-16mm F4,5-5,6 und Sigma 10-20mm F4,0-5,6 in "eingepackten" und funktionstüchtigem Zustand (mit dem Mauszeiger über die Fotos fahren um den Vergleich zum 10-20er zu sehen):



Um den Unterschied der jeweils maximalen Weitwinkelstellung zwischen 8mm (mit dem Sigma 8-16mm F4,5-5,6) und 10mm (mit dem Sigma 10-20mm F4,0-5,6) zu verdeutlichen hier ein Vergleichsfotos. Fotografiert vom genau gleiche Standort aus (mit dem Mauszeiger über das Foto fahren):



Und noch die gleiche Aufnahme mit 8mm und dem Bereich eingezeichnet, der 10mm entspricht. Wie schon geschrieben, die zwei Millimeter Brennweitenunterschied machen wirklich was aus:



Soviel zu den technischen Dingen und zum Unterschied zwischen 8 und 10mm Brennweite. Stellt sich die Frage, wozu die 8mm dann wirklich brauchbar sind. Für mich war ganz klar der Gewinn an Möglichkeiten zu extremeren Perspektiven der Hauptgrund zusätzlich zu meinem 10-20er noch ein 8-16er zu nehmen. Um Details im Vordergrund groß herauszuholen und gleichzeitig im Hintergrund noch den gesamten Charakter der Landschaft zu zeigen, sind die zwei Millimeter weniger Brennweite ein wirklicher Gewinn. Auch wenn ich bisher noch nicht all zu viele Möglichkeiten hatte das gewonnene Potential zu nutzen, die ersten Versuche haben mir jedenfalls schon mal gefallen.

Zur Bildqualität gibt es für mich nichts Negatives zu berichten. Was die Schärfe betrifft gibt es nicht zu bemängeln, einen Unterschied zum, für meinen Geschmack ziemlich scharfen, 10-20er kann ich nicht erkennen. Das Gegen(sonnen)lichtverhalten scheint soweit auch ordentlich zu sein. Verzeichnung fällt bei den Landschaftsfotos sowieso keine auf. Auch was Farbsäume betrifft ist wohl nicht viel zu befürchten. Und auch wenn das Objektiv nicht der Sigma-EX-Reihe angehört, auch an der Verarbeitung gibt es nichts zu bemeckern. Von daher: Alles im tiefgrünen Bereich.


Sonnenaufgang @ 8mm


Zusammenfassend: Etwas schade, dass es keine Möglichkeit zur Verwendung von Schraubfiltern gibt, ansonsten ein tolles Objektiv, das seinen Preis auf jeden Fall wert ist. Da eröffnen sich schon wieder ganz neue Perspektiven für die Landschaftsfotografie in der Lobau (und natürlich nicht nur dort)... ;)


Links:
Test @ Lenstip.com
Test @ photozone

20. Juli 2010

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