Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

Nebel - Teil 1: Theorie

Viele meiner Fotos muss man glaube ich nicht gesehen haben, um zu bemerken, dass ich ein Faible für Nebelstimmungen habe. Wenn ich so darüber nachdenke, abgesehen von Orchideen, Pilzen und dann noch den paar Fotos in den Alpen, die ich so über die Jahre verteilt mache, lebt ja eigentlich fast jedes meiner Fotos auf irgendeine Art und Weise davon, dass Nebel darauf zu sehen ist.

Und weil sowieso gerade Herbst ist, die Nebeljahreszeit schlechthin also, ist es wirklich mal an der Zeit einen kurzen Artikel zu diesem wunderbaren Thema zu verfassen. Nebel zu finden ist ja nicht nur ein Glücksspiel, auch wenn es natürlich unmöglich ist genau vorherzusagen ob der Nebel genau das macht, was man sich für sein Motiv wünscht, kann man mit ein bisschen Beobachtungsgabe, etwas Vorwissen und einem gewissen Maß an Planung den Zufall zumindest bis zu einem gewissen Grad in den Griff bekommen.

Wie entsteht Nebel?!

Um planen zu können, ist es für den Anfang vor allem wichtig zu verstehen, wie Nebel so entsteht bzw. was für verschiedene Arten von Nebel es gibt. Zu dem Thema gibt es neben richtiger Lektüre (Bücher!) auch genug Material im Internet. Der Artikel bei Wikipedia ist ein guter Start.

Weil es so viele Informationsquellen zu dem Thema gibt, will ich gar nicht all zu viel dazu schreiben (hat auch den Vorteil, dass damit die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass ich Blödsinn verzapfe ;) ), sondern nur kurz zu den beiden meiner Meinung nach wichtigsten Nebelsorten etwas schreiben. Die Unterscheidung in die verschiedenen Sorten ist übrigens gar nicht so einfach. Glücklicherweise ist das, was die Fotografie betrifft, ja sowieso ziemlich egal...

Strahlungsnebel

Zum Strahlungsnebel gehört der typische Morgennebel, den man besonders im Frühling und Herbst oft erleben kann. Einfach gesagt: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Wenn es nachts klar und windstill ist, kühlt die Luft durch Abstrahlung immer weiter ab, irgendwann ist der Punkt erreicht (Thema "Taupunkt" bei Wikipedia), an dem die Luft keine weitere Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann, es kondensiert und Nebel bildet sich. Je nachdem wieviel Feuchtigkeit vorhanden ist, bilden sich dann mehr oder weniger mächtige bzw. dichte Nebelfelder.

Wie schon geschrieben: Am ehesten findet man solchen Nebel am Morgen nach einer klaren und windstillen Nacht. Auch die Begebenheiten vor Ort sollte man im Hinterkopf behalten: Weil kalte Luft schwerer ist als warme Luft, sammelt sie sich über Nacht gerne in Gebieten wie Flusstälern und Muldenlagen. Hanglagen dagegen sind was Nebel betrifft häufig eher unpraktisch, sie werden von der absinkenden kalten Luft überflossen, aber sammeln kann sie sich dort nicht. Schon oft bin ich deshalb beim Fotografieren von Orchideen mit Tau/Reif im Frühling gescheitert, die Pflanzen wachsen an einem Hang, die kalte Luft floß ins Tal ab, es war dadurch vor Ort nicht feucht (relative Feuchte) genug und es bildete sich kaum Tau bzw. Reif an den Pflanzen).

Häufig weniger schön ist die Grausamsorte des Strahlungsnebels: Der Hochnebel. Abgesehen davon, dass er deutlich mächtiger in seinen Abmessungen ist, ist die Art der Entstehung dieselbe wie oben beschrieben. Meistens entsteht er im Spätherbst bei strömungsschwachen Wetterlagen, wenn sich bodennah eine mächtige Kaltluftschicht bilden und halten können (Inversionslage) und die Sonne tagsüber nicht mehr über genug Kraft verfügt den Nebel komplett wegzurösten.

Seerauchen

Die zweite wichtige Nebelsorte ist für mich das Seerauchen. Dabei handelt es sich um eine Art des Verdunstungsnebels. Besonders ausgeprägt ist Seerauchen im Herbst. Das Wasser der Seen ist noch warm, die Nächte sind schon kalt. Wenn jetzt die kalte Luft über das warme Wasser streicht, hat die warme Luft direkt über dem Wasser viel mehr Feuchtigkeit in sich, als die kalte Luft darüber aufnehmen kann. Die Folge ist wieder Kondensation. Es bildet sich Nebel. Genau wie beim Strahlungsnebel ist auch diese Nebelart am ausgeprägtesten nach einer kalten und windstillen Nacht.

Vorhersagen?

Ein reines Glücksspiel ist die Sache mit dem Nebel glücklicherweise nicht. Es gibt einige Möglichkeiten zumindest kurzfristig einigermaßen seriöse Vorhersagen zu machen, ohne das man gleich Meteorologie studiert haben muss. Bei stabilen Hochdrucklagen kann man sogar über ein paar Tage hinweg davon ausgehen, dass es morgens Nebel geben wird.

Was den bodennahen Strahlungsnebel bzw. auch das Seerauchen betrifft ist es auf jeden Fall hilfreich ein bisschen den Ort bzw. die Umgebung zu kennen, in der man vorhat zu fotografieren. Ich nehme mal den komplett unwahrscheinlichen Fall an, dass ich morgens an einem See ein paar Schwäne im Nebel fotografieren will (soll ja vorkommen). Der See liegt im Tal, ich weiß auch von vorherigen Ausflügen, dass die Gegend zur Nebelbildung neigt. Was die Location betrifft, sollte also alles passen. Fehlt noch die Wettervorhersage...

Nebelvorhersage

Man kann sich dabei natürlich komplett auf die Vorhersage in der lokalen Zeitung o.ä. verlassen. Wer weiß, vielleicht passen die ja sogar häufig. Auch hier ist es sinnvoll einfach mal zu beobachten wie oft die Vorhersage mit der Realität übereinstimmt. Wem das nicht genügt, für den ist das Internet ein riesiges Sammelsurium an Informationen.

Mein Vorgehen sieht momentan folgendermaßen aus:

Es gibt diese praktische Internetseite namens Wetterzentrale. Dort gibt es einen riesigen Haufen an mehr oder weniger komplexen Wetterkarten. Einen ersten und vor allem übersichtlichen Eindruck darüber, wie das Wetter in nächster Zeit so sein wird, bieten die Meteogramme, die man hier finden kann. Man kann dort einfach den Gitterpunkt auswählen, der dem Ort, an dem man fotografieren will, am nächsten liegt.

Wichtig zu wissen ist, dass das zugrunde liegende Wettermodell hinter diesen Meteogrammen ein globales Wettermodell ist. Auf lokale Besonderheiten geht das Modell nicht ein, die Modellorographie (also sozusagen das Abbild der Erdoberfläche im Wettermodell) lässt das auch gar nicht zu! Diese Grafik zeigt die Problematik: Selbst größere Flusstäler oder kleinere Mittelgebirge gehen hier einfach unter bzw. werden deutlich vereinfacht dargestellt.

"Mein" Meteogramm sieht momentan, während ich diesen Artikel schreibe, folgendermaßen aus. Die wichtigen Bereiche habe ich schraffiert bzw. markiert und nummeriert damit klarer wird, was ich beschreibe:



  1. zeigt die Bewölkung. So wie's aussieht, ist zumindest zu erwarten, dass die Sonnenaufgänge vom 14. bis 17. Oktober wolkenlos sein werden. Gerade im Herbst liegt es aber durchaus im Bereich des möglichen, dass statt wolkenlosem goldenen Herbst grautrübes Hochnebelwetter herrschen wird.
  2. zeigt den zu erwartenden Wind. Eingekreist habe ich jeweils die Morgenstunden. Was den Wind betrifft sind keine großen Störungen zu erwarten. Es sollte kaum richtig starken Wind geben, welcher die nächtliche Abkühlung und damit die morgendliche Nebelbildung verhindern wird.
  3. eher Nebensache, aber hier erkennt man die relative Luftfeuchtigkeit. Erwartungsgemäß tagsüber deutlich trockener als nachts. Am feuchtesten wäre nach dem Meteogramm der Morgen des 14. Oktobers, also hier wäre an sich der dichteste Nebel zu erwarten. Aber: Globalmodell, also nicht zu ernst nehmen.

Für mich bedeutet das jetzt, dass aus aktueller Sicht von 14. bis 17. Oktober gleich vier fotografisch brauchbare Sonnenaufgänge mit Morgennebel vor der Tür stehen bzw. stehen könnten. Jahreszeitbedingt ist der Unsicherheitsfaktor dabei die Neigung zum Hochnebel...

Absicherung...

Seit noch nicht all zu langer Zeit gibt es die praktische Internetseite kachelmannwetter. Auch dort gibt es Meteogramme wie das obige, aber darum soll es hier jetzt gar nicht gehen. Viel interessanter finde ich die Vorhersagekarten unter dem Menüpunkt "Vorhersage" -> "Modellkarten" -> "Mitteleuropa Super HD". Dort kann man dann links im Menü bei "Parameter wählen" den Menüpunkt "Signifikantes Wetter" auswählen. Dann noch das passende Bundesland und die Uhrzeit der Karte so ausgewählt, dass sie zum Sonnenaufgang passt (geht bei "Mitteleuropa Super HD" für einen Zeitraum bis drei Tage in die Zukunft) und man bekommt eine Karte, die bei Nebelchancen so irgendwie aussieht:



Die Karte selbst ist meiner Meinung nach ziemlich selbsterklärend. Kurz gesagt: Je gelber, desto Nebel! Es scheint also so zu sein, dass es am 14. Oktober bei Sonnenaufgang wirklich neblig werden wird. Das zugrunde liegende Modell hat auch eine deutlich feinere Modellorographie und geht genauer auf Feinheiten ein. Es ist aber natürlich trotzdem nur ein Modell und die Realität kann auch hier dann am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang ganz anders aussehen, aber zumindest ist's ein guter Hinweis darauf, mit was man rechnen kann.

Es ist sinnvoll sich auch die anderen auf der Seite angebotenen Wettermodelle anzuschauen. Je mehr Modelle davon ausgehen, dass es neblig wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch wirklich neblig wird. Unter Umständen hat für eine bestimmte Gegend auch eines der Modelle eine besondere Begabung und eine hohe Treffsicherheit.

Was noch?

Bei flacherem Morgennebel ist es eher schwer mit Hilfe von Webcams zu schauen wie es vor Ort aussieht. Nicht nur, weil es meistens in den wirklich interessanten Gebieten sowieso keine Webcams gibt, sondern auch, weil man bei Dunkelheit sowieso nichts darauf erkennen würde. Bei spätherbstlichen Hochnebellagen dagegen können Webcams durchaus sinnvoll sein um herauszufinden in welcher Höhe der Nebel noch zu finden ist und wo man darüber ist. Gerade letztens, als es hier bei mir ziemlich trüb und grausam aussah, habe ich dank einer Webcam gesehen, dass nur ein paar wenige hundert Meter höher bester Nebel rumwaberte.

Im Winter können Webcams praktisch sein, um zu erkennen ob es irgendwo schon länger neblig war und sich damit schon ordentlich Raureif ansammeln konnte. Bei derartigem Interesse ist's also hilfreich einfach mal zu googlen. In den meisten Bergregionen hat es genug Webcams, und auch wenn vielleicht direkt am Platz des Interesses keine Webcam steht, in ähnlicher Höhenlage in der Umgebung wird man mit etwas Glück eine finden und Rückschlüsse daraus ziehen können.

Um genaueres über die Mächtigkeit von Hochnebel herauszufinden, können auch Radiosondenaufstiege hilfreich sein. Das würde aber nicht nur den Rahmen hier sprengen, sondern vermutlich würde ich da teilweise auch etwas Blödsinn erzählen. Deshalb ist da vielleicht einfach ein Link angebracht... ;) Wer mehr darüber erfahren will: Hier entlang!

Auch der Deutsche Wetterdienst bietet in seinen Warnlageberichten Informationen darüber, ob in der Nacht bzw. am Morgen Nebel zu erwarten ist. Natürlich wird dort nicht genau beschrieben wo es Nebel geben wird oder könnte, aber in Kombination mit den oben beschriebenen Möglichkeiten, kann man damit vielleicht die eigene Prognose noch etwas absichern. Lesen tut sich so eine Nebelwarnung dann so in der Art:

"NEBEL:
Heute Vormittag hält sich gebietsweise noch Nebel, teils mit Sichtweiten unter 150 m. Dieser löst sich im Vormittagsverlauf allmählich auf. In der Nacht zum Freitag bilden sich erneut teils dichte Nebelfelder mit Sichten unter 150 m.
"

Zusammenfassung

Wenn ich jetzt nichts wichtiges vergessen habe, wovon ich mal nicht ausgehe, sollte das alles Wichtige zum Thema gewesen sein. Also zusammengefasst: Am besten beobachtet man einfach mal, wie nebelanfällig der Ort ist an dem man fotografieren will. Dann kann man mit Hilfe von verschiedenen Wettermodellen abschätzen wie wahrscheinlich es ist, dass es wirklich neblig ist, wenn man vorhat zu fotografieren. Je nach Nebelart kann es auch sinnvoll sein die Hilfe von Webcams heranzuziehen. Eigentlich alles keine Hexerei!

In Teil 2 des Artikels geht's dann um das Fotografieren selbst bei Nebellagen und was sich wann, wie und wo anbietet. Hier aber zum Abschluss nochmal die Links aus dem Artikel:

- Wikipedia Artikel zum Thema "Nebel"
- Wikipedia Artikel zum Thema "Taupunkt"
- Wetterzentrale
- Wetterzentrale GFS Meteogramme Mitteleuropa
- Kachelmannwetter
- Kachelmannwetter Mitteleuropa Super HD
- Wetterzentrale Radiosondenaufstiege
- Grundlagen zu Radiosondenaufstiegen
- DWD Warnlageberichte
13. Oktober 2017

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