Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

Ein paar Vorschläge zum Fotografieren von Landschaften

Worin unterscheiden sich eigentlich gelungene Landschaftsfotos von denen, die beim Betrachten eher gewöhnlich oder gar richtiggehend langweilig wirken?

Da gibt es viele Faktoren. Für viele dürfte beim Betrachten wohl direkt das Motiv der wichtigste Punkt sein. Interessanter als das Motiv sind dann aber die schon nicht mehr ganz so greifbaren Dinge wie Licht und Bildgestaltung. Und dann gibt es noch ein paar Bonusfaktoren, die das Ganze abrunden können.

Motiv

Da muss man auch mal eindeutig festhalten: Mit einem richtig tollen Motiv ist es schwieriger ein Foto zu machen, das kompletter Mist ist. Allerdings ergibt ein tolles Motiv - das allerdings scheint ein weitverbreiteter Irrglaube zu sein - nicht automatisch ein tolles Foto. Ich für mich würde zu den richtig tollen Motiven zum Beispiel den Piz Bernina, den Mount McKinley oder die Torres del Paine zählen.

Bildgestaltung

Was die Bildgestaltung betrifft, gibt es ein paar, an sich recht einfache Dinge, die bei Beachtung dafür sorgen können (nicht müssen), dass ein Bild fast automatisch besser auf den Betrachter wirkt. Da gehört zum Beispiel das beachten des goldenen Schnitts dazu. Auch so Dinge wie ins Bild führende Linien können sich positiv auf die Bildwirkung auswirken. Und auch das Sprichwort "Vordergrund macht Bild gesund" kommt nicht von ungefähr.

Licht

Das schlechte Licht als solches gibt es eigentlich garnicht. Es kommt mehr darauf an, was man denn mit seinem Foto erreichen will. Viele Motive in der Landschaftsfotografie lassen sich im Licht kurz vor bis kurz nach Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang besser ins Foto umsetzen. Andererseits gibt es auch Motive, die man im knalligen Mittagslicht fotografieren kann. Und dann gibt es noch Motive, die geradezu nach Nebel oder bedecktem Himmel schreien.

Bonusfaktoren

Weil mir kein besserer Name eingefallen ist, nenn ich das einfach Bonusfaktoren. Dazu zählen für mich zum Beispiel spezielle Wetterbedingungen wie Nebel oder Gewitter, einen glücklicherweise passend stehenden Mond, die Sonne samt Strahlen im Bild oder einfach nur so irgendwie überraschende oder nicht alltägliche Situationen wie ein Rudel Hirsche das im Hintergrund eines Altarmfotos gerade den selbigen quert.

Beispiele

Im Folgenden will ich jetzt ein paar meiner Fotos auf diese Faktoren hin genauer anschauen und ein paar meiner Überlegungen dazu schreiben.

Die behandelten Fotos im Überblick (Anklicken um direkt zum jeweiligen Foto zu springen):





Orchideenwiese



Aufnahmesituation   Einer der vielen frühmorgendlichen Ausflüge mit dem Rad in die Wiener Lobau. Ein paar hohe Wolken am Himmel und Windstille, also genau die richtige Kombination für einen bunten Sonnenaufgang mit etwas Nebel waren gegeben. Den Plan eine der Orchideenwiesen der Lobau im blühenden Zustand in genau der Situation zu fotografieren, hatte ich schon lange, dieses Mal hat es endlich gepasst. Also ein geplantes Foto.
Technische Daten   Sigma SD14, 15mm (25,5mm KB), f11, 1/3s, ISO100, Stativ, digitaler Grauverlauf. Aufgenommen am 13. Mai 2010 um 5:21.
Motiv   Das Motiv auf dem Foto ist eindeutig die Wiese. Wiesen gibt es überall. Allerdings gibt es nicht überall Wiesen voller Orchideen. Andererseits sind Orchideen auch nicht unbedingt für jeden Betrachter eine spannende Sache. Dann bleibt aber immernoch das Bunte durch die Blumen übrig. Also das Motiv: Eine bunte Blumenwiese. Nicht unbedingt eines der Motive die beim Betrachter direkt ein Staunen hervorrufen können.
Bildgestaltung   Recht konservativ könnte man wohl dazu sagen. Der Horizont liegt im oberen Bilddrittel, klassisch im Querformat fotografiert. Was man allerdings nicht direkt auf den ersten Blick sieht ist die doch sehr tiefe Kameraperspektive (geschätzte 40cm?), die es ermöglicht hat, die Pflanzen im Vordergrund einigermaßen groß aufs Bild zu bringen und gleichzeitig noch die umgebende Landschaft zu zeigen. Das macht einen großen Unterschied im Vergleich zu ähnlichen Fotos die aus Augenhöhe fotografiert sind.
Licht   Viel besseres Licht kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Das Foto ist kurz bevor die Sonne den sichtbaren Horizont überschritten hat entstanden. Zusätzlich wurden die Kontraste noch durch den vorhandenen Nebel gedämpft. Der Sonnenaufgang war in dem Fall ziemlich genau in der entgegengesetzen Richtung, also hinter mir.
Bonusfaktoren   Wie schon erwähnt, die Orchideen auf der Wiese. Und wie auch schon erwähnt, wird das vielleicht nicht für jeden Betrachter ein Bonus sein, für den naturinteressierten aber wahrscheinlich schon? Zusätzlich der Nebel, auch wenn der in der Lobau an manchen Stellen fast etwas Alltägliches ist, gewinnt das Foto durch das Vorhandensein einen kleinen Extrabonus. Selbiges gilt für die durch den Sonnenaufgang bunten Wolken.
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Im Val Roseg



Aufnahmesituation   Am zweiten Tag eines dreitägigen Übernachtungsfotoausflugs ins Val Roseg im Engadin. Nachmittags beim Warten auf das Abendlicht und auf der Suche nach passenden Motiven. Als das Licht langsam interessanter wurde, bot sich die Chance auch mal ein Foto zu machen, dass nicht im letzten bzw. ersten Licht des Tages aufgenommen ist.
Technische Daten   Sigma SD14, 10mm (17mm KB), f11, 1.5s, ISO50, Stativ, Graufilter, digitaler Grauverlauf. Aufgenommen am 22. September 2010 um 16:24.
Motiv   Eindeutig eines der Motive, bei dem man an sich nicht all zu viel falsch machen kann. Selbst wenn man es verhunzt ist zumindest das, was man drauf sieht, noch eindrucksvoll. Ich kenne zwar die meisten Alpentäler nur aus Google Earth, aber ich wage zu behaupten, dass der Talschluss des Val Roseg mit zum Schönsten und Ursprünglichsten gehört was die Alpen zu bieten haben. Auf dem Foto sind dank verschneiter Berggipfel, Gletscher, Bäumen, Licht und Schatten, Bachlauf, Bäumen und strukturiertem Boden im Vordergrund viele Details zu erkennen. Trotzdem sind diese ganzen Einheiten gut geordnet (wäre das nicht so, würde das ganze wohl in einem Betrachtungschaos enden).
Bildgestaltung   Der Horizont liegt klassisch im oberen Bilddrittel. Ein Bachlauf führt ins Bild rein, allerdings "endet" die Blickführung für meinen Geschmack eigentlich zu mittig. Die Gegebenheiten vor Ort haben allerdings keine andere Möglichkeit geboten. Auch die Wolke im oberen Bildteil sitzt an sich zu mittig im Foto.
Licht   Auch wenn es sich nicht um Sonnenaufgangs- oder Sonnenuntergangslicht handelt und die ganze Sache ohne die beschatteten Bereiche im Vordergrund etwas langweiliger aussehen würde, für eine derartige Aufnahme hat das Licht eindeutig gepasst. Unterstützt wahrscheinlich auch durch die Tatsache, dass der Himmel in dieser Höhe verdammt dunkelblau ist.
Bonusfaktoren   Absoluter Bonusfaktor Landschaftsfotos betreffend ist hier natürlich die Umgebung. Nicht überall hat man Piz Bernina und Piz Roseg im Hintergrund. Das Ganze dann noch garniert mit Gletschern und einem Bach im Tal, das ist dann schon eine Szenerie die wirklich edel ist.
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Sumpfschwertlilie



Aufnahmesituation   An einem Frühsommermorgen auf der Suche nach Motiven in der Lobau. An dem Tag hatte ich keine besonderen Ziele, wusste allerdings, dass es wie so oft bei Windstille, zumindest im Ansatz für Nebel reichen könnte und das gerade Blütezeit der Sumpfschwertlilien ist. Das Ergebnis war dann allerdings doch eher spontan.
Technische Daten   Sigma SD14, 12mm (20,4mm KB), f10, 0.5s, ISO50, Stativ. Aufgenommen am 26. Mai 2009 um 5:31.
Motiv   Das muss man in dem Fall wohl schon fast als 0815 bezeichnen. Eine Feuchtwiese mit etwas Schilf, einer vereinzelten Sumpfschwertlilie und das alles dann noch eingeengt zwischen zwei Waldrändern.
Bildgestaltung   Für viele ungewohnt dürfte wohl die Wahl des Hochformats sein. Aber gerade das kann bei eingeengten Verhältnissen die Szenerie offener (und erst recht tiefer) wirken lassen. Ansonsten das Übliche: Der Horizont, sofern man ihn in dem Fall so nennen kann, liegt im oberen Bilddrittel. Der gelbe Tupfer namens Sumpfschwertlilienblüte kommt im unteren rechten Drittel zum Liegen. Der goldene Schnitt hat bei Beachtung schon manchmal seine Vorzüge.
Licht   So ziemlich mein Lieblingslicht für Landschaftsfotos im Flachland: Kurz nach Sonnenaufgang. In dem Fall war es kurz danach, die Sonne hat für meinen Standort den Horizont gerade noch nicht überschritten. Die Wolken sind noch bunt und es gibt noch keine zu harten Kontraste. Also noch kein direktes Licht im Motiv (nur ein kleines Stück von den Bäumen im Hintergrund kriegt schon einen Hauch Sonne ab).
Bonusfaktoren   In dem Fall muss man wohl die bunten Wolken auf jeden Fall dazu zählen, der Farbkontrast zum sonst sehr grünen Rest des Motivs ist schon wichtig. Zusätzlich noch der leichte Nebel im Mittelgrund. Den gelbe Farbtupfer der Sumpfschwertlilie sorgt im Vordergrund für etwas Auflockerung.
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Sumpfschwertlilie im Hochwasser



Aufnahmesituation   Das Foto ist zu einer Zeit entstanden, als ich (fast) jede Möglichkeit genutzt habe um an den Donaualtarm Kühwörther Wasser in der Unteren Lobau zu radeln. Das es zu dem Zeitpunkt dort Hochwasser hatte, wusste ich allerdings nicht. Erst war ich ja noch leicht genervt, weil's für meinen Geschmack zu viele Wolken gab an dem Morgen und ich befürchtete, dass damit auch der Nebel fehlen würde. Das mit dem fehlenden Nebel hat sich dann hinterher glücklicherweise als unbegründete Befürchtung herausgestellt und die vielen Wolken waren dann doch auch eher praktisch.
Technische Daten   Sigma SD14, 36mm (61,2mm KB), f11, 1.3s, ISO50, Stativ. Aufgenommen am 24. Mai 2008 um 5:02.
Motiv   Sumpfschwertlilie und Altarm (oder auch einfach ein See) als Kombination sind eigentlich ein ganz alltägliches Motiv. Sumpfschwertlilie, Altarm und Hochwasser, das ist dann (glücklicherweise ;) ) nicht mehr so ganz alltäglich. Vorteilhaft war, dass der Altarm mit seinem umgebenden Uferwald im Hintergrund in einem Fluchtpunkt zusammenläuft. Die Windstille die an dem Morgen herrschte hat eine perfekte Spiegelung der Pflanze im Wasser möglich gemacht.
Bildgestaltung   Wie schon fast üblich: Klassisch mit dem Horizont im goldenen Schnitt (oben). Die Sumpfschwertlilie im Vordergrund ist durch die verwendete leichte Telebrennweite im Verhältnis relativ groß abgebildet und sitzt schwerpunktmäßig auch im goldenen Schnitt. Aus mehr als diesen beiden Teilen besteht das Foto auch nicht.
Licht   Durch die doch recht starke, wohl erst zur Morgendämmerung entstandenen, Bewölkung gedämpftes Sonnenaufgangslicht. Der Sonnenaufgang war erst kurz nachdem ich diese Aufnahme gemacht habe, aufgegangen ist sie in dem Fall rechts von mir, auch dort waren viele Wolken. Die Nebelschwaden im Hintergrund nahmen dem Uferwald bzw. seiner Spiegelung noch etwas Kontrast.
Bonusfaktoren   Ein absoluter Bonusfaktor ist die in voller Blüte im Hochwasser stehende Sumpfschwertlilie, eine durchaus nicht alltägliche Situation. Zusätzlich werte ich es als gewinnbringend, dass die Pflanze mit ihren gelben Blüten im Kontrast zum Blau des restlichen Bildes steht. Der Nebel sorgt für einen leicht mythischen Touch.
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Seewinkel



Aufnahmesituation   Ausgetrocknete und aufgesprungen Lackenufer im Seewinkel hab ich auf Fotos schon oft gesehen. Allerdings war ich bisher nie selbst dort um Fotos davon zu machen. Auch wenn die Chancen dieses Jahr noch eher schlecht standen sowas auch vorzufinden, war's einen Versuch wert. Und tatsächlich, ein kleines Stück am Oberstinkersee, direkt am Straßenrand, hat sich wie erhofft schön ausgetrocknet und aufgesprungen gezeigt. Ziel war an sich den Sonnenuntergang und den Sonnenaufgang dort zu fotografieren. Massen von Stechmücken haben zumindest den Plan mit dem Sonnenaufgang zunichte gemacht.
Technische Daten   Sigma SD14, 8mm (13,6mm KB), f8, 1/25s, ISO50, Stativ, digitaler Grauverlauf. Aufgenommen am 21. Juli 2010 um 20:11.
Motiv   Ein Lackenrand im Seewinkel. Viele der Lacken im Seewinkel sind im Sommer/Herbst ausgetrocknet (wenn es nicht gerade eine sehr feuchte Vorgeschichte gab). Das Motiv als solches ist also eigentlich nichts besonderes, zumindest dort. Aber nicht jeder hat solche Plätze vor Ort. "Problematisch" ist allerdings, dass man dort meistens nicht in die wirklich interessante Bereiche vordringen kann. Das ist auch gut so, ist ja schließlich ein Nationalpark. In dem Fall lag das Lackenufer direkt am Straßenrand.
Bildgestaltung   Wieder der Horizont oben einigermaßen im goldenen Schnitt. Das ist meiner Meinung nach auch meistens die optimale Lösung für Landschaftsfotos die den Vordergrund groß mit einbeziehen. Wichtig ist in dem Fall auch der tiefe Kamerastandpunkt in Kombination mit der Verwendung des sehr starken Weitwinkelobjektivs. Dadurch wirkt der aufgesprungene Boden auf den Betrachter viel weitläufiger als er in Wirklichkeit war.
Licht   Die Sonne stand noch am Himmel, knapp rechts außerhalb des Fotos. Allerdings stand sie schon sehr tief, deshalb auch schon die angedeuteten Sonnenuntergangsfarben am Himmel. Sonnenuntergang war an dem Tag um ca. 20:42, also ca. eine halbe Stunde nach der Aufnahme.
Bonusfaktoren   In dem Fall ist es nicht mehr als der aufgesprungende Boden der einen nicht ganz alltäglichen Anblick bietet.
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Donau



Aufnahmesituation   Auf der Suche nach neuen Motiven und weil die Schnee- bzw. Eissituation das Radfahren in die Lobau unmöglich gemacht hatte, hat es mich in die Donauauen bei Regelsbrunn, weil leicht mit dem Zug erreichbar, getrieben. Dank Google Earth hatte ich ein Foto bei Sonnenuntergang mit angeleuchtetem und verschneiten Hundsheimer Berg und Donau im Vordergrund geplant. Leider ergab sich, als noch genug Schnee lag keine Chance für eine solche Aufnahme. Die erste Chance ohne Schnee habe ich dann allerdings an dem Tag ergriffen.
Technische Daten   Sigma SD14, 70mm (119mm KB), f11, 4s, ISO50, Stativ, Graufilter. Aufgenommen am 25. Februar 2010 um 16:45.
Motiv   Der Hundsheimer Berg (im Hintergrund) sollte an sich das Hauptmotiv sein. Er ist halt leider doch nicht ganz der Mount McKinley und schafft es mit seinen hügeligen 330m Höhenunterschied zur Donau gerade mal, nicht komplett im an der Donau angrenzenden Auwald unterzugehen. Ansonsten ist die Donau selbst mit bildbestimmend.
Bildgestaltung   Wieder, wie jedes Mal, der Horizont mit Hundsheimer Berg und Uferwald im goldenen Schnitt, hier im oberen Drittel. Im Mittelgrund die Kiesbank läuft für meinen Geschmack, der Aufnahmeposition geschuldet, eher etwas zu mittig im Bild aus. Im Vordergrund bietet die, durch den Einsatz eines Graufilters, verschwommene Donau nochmal einen Eyecatcher. Insgesamt ist das Foto auf recht wenige Objekte reduziert.
Licht   Für mich war das an dem Tag fast perfektes Sonnenuntergangslicht. Es war genau die richtige Mischung zwischen zu viel und zu wenig Dunst am Himmel. Bei mehr Dunst wären es zwar etwas rötlicher geworden, dafür nicht mehr ganz so satt. Bei weniger Dunst wäre die Rotfärbung wohl geringer ausgefallen. Im Kontrast dazu steht die Blautöne der fließenden Donau.
Bonusfaktoren   Der für mich einzige Bonusfaktor: Die Verwendung des Graufilters zeigt den Fluss auf eine Art und Weise, die man zumindest mit dem bloßen Auge so in der Realität nicht sehen kann.
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Frühling im Seewinkel



Aufnahmesituation   Nach einem ersten Erkundungsausflug Anfang März stand fest, dass das Gebiet um die Lange Lacke im Seewinkel in den ersten richtigen Frühlingstagen für ein paar Landschaftsaufnahmen herhalten muss. Ohne genau zu wissen was es eigentlich dort zu fotografieren gibt, ging es von Nachmittag bis zum Morgen des nächsten Tages in die Region. Klar, windstill und vor allem komplett kondensstreifenfrei (der fast unaussprechbare Vulkan auf Island war gerade aktiv) zeigten sich die beiden Tage.
Technische Daten   Sigma SD14, 20mm (34mm KB), f11, 0.5s, ISO50, Stativ. Aufgenommen am 18. April 2010 um 6:20.
Motiv   Das Foto besteht aus nicht mehr als einer mit kleinen "Hügeln" besetzten Wiese. In der Ferne im Hintergrund ein paar Bäume. Rechts am Horizont befindet sich eine Lacke, allerdings ist von der auf dem Foto wenig bis fast nichts zu sehen.
Bildgestaltung   Wie üblich der Horizont im goldenen Schnitt. Beim Vordergrund hab ich versucht die durch den tiefen Sonnenstand am Morgen von den "Hügeln" geworfenen Schatten einigermaßen angenehm ins Foto einzubauen.
Licht   Kurz nach Sonnenaufgang und an einem recht klaren Tag, da passt das Licht für derartige Aufnahmen einfach. Durch die Erhöhung der Sättigung sind die ganzen verschiedenen Farbnuancen, besonders die der Wiese, sehr schön hervorgehoben. Am Himmel dominieren noch Sonnenaufgangsfarben.
Bonusfaktoren   Eigentlich keine. Man könnte vielleicht die bunte Wiese mit den kleinen Hügeln als Bonusfaktor zählen, an sich gibt es auf dem Foto allerdings keine Besonderheiten. Das sieht man auch, wenn man dort bei normalem Tageslicht unterwegs ist.
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Kiesbank



Aufnahmesituation   Die Kiesbank ist normalerweise mit dem Ufer des Altarms verbunden. Nur bei Hochwasser ist sie vom Ufer abgeschnitten. An dem Tag hatte ich Glück, dass sich zusätzlich zum hohen Wasserstand auch noch richtig viel Nebel gebildet hat. Wobei das eine wohl das andere mit bedingt hat. Grundsätzlich war es ein klarer, kühler und windstiller Start in den Morgen an dem Tag, Nebel war auf jeden Fall zu erwarten.
Technische Daten   Sigma SD14, 10mm (17mm KB), f11, 1/4s, ISO50, Stativ, Grauverlauf. Aufgenommen am 24. April 2008 um 6:18.
Motiv   Das Motiv ist in dem Fall die Kiesbank im Hochwasser in Verbindung mit der ebenfalls überfluteten Pflanze, die fast wie ein kurzer Schriftzug aussieht. Im Hintergrund gehört auf jeden Fall noch die Baumreihe, mit der durch den Nebel scheinenden Sonne, zum wichtigsten Teil des Motivs. Die restliche Umgebung der Landschaft ist durch den Nebel komplett ausgeblendet.
Bildgestaltung   Der Horizont, sofern man ihn noch durch den Nebel erkennen kann, liegt wie üblich im goldenen Schnitt. Das ganze Bild hat einen Hang zum rechten unteren Eck. Dort liegt der Schwerpunkt des Fotos aus Kiesbank, Pflanze im Wasser und Sonne im Nebel.
Licht   Absolut perfektes, durch den Nebel gedämpftes, Sonnenaufgangslicht. Viel schöner kann ich es mir eigentlich kaum vorstellen. Kommt aber leider auch verdammt selten in so optimaler Form vor.
Bonusfaktoren   In dem Fall muss man das Hochwasser dazu zählen. Daneben allerdings auch noch die schon sichtbare Sonne und den Nebel. Das sind alles Faktoren die in dieser Kombination nicht alltäglich sind.
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Mittag im Val Roseg



Aufnahmesituation   Mittag im Val Roseg. Nachdem der Vormittag damit verbracht wurde die Umgebung nach lohnenden fotografischen Möglichkeiten auszukundschaften, war dann erstmal Siesta angesagt. Und da so ein Tag ganz schön lang werden kann, wenn man nur auf den Sonnenuntergang wartet, habe ich ein paar Versuche mit Mittagslicht und Graufilter gemacht.
Technische Daten   Sigma SD14, 10mm (17mm KB), f11, 0.6s, ISO50, Stativ, Graufilter. Aufgenommen am 22. September 2009 um 14:26.
Motiv   Das war schonmal dabei in dem Artikel, der mit imposanteste Teil der Berninagruppe mit Piz Bernina und Piz Roseg. Dazu der Wildbach im Vordergrund. Den Rest hab ich schon hier beschrieben... ;) Deshalb spar ich mir die Wiederholung einfach.
Bildgestaltung   Den gesamten Vorder- und Mittelgrund nimmt die Ova da Roseg (also der Wildbach) mit ihrem Ufer ein. Im Hintergrund dann die Bergkette mit den bereits erwähnten Bergen. Ob man den, zumindest auf dem Foto, kleinen Baum im oberen linken Bilddrittel noch als bildwirksam und damit wichtig für das Motiv bezeichnen kann muss jeder für sich selbst entscheiden. Der Bach selbst führt ins Bild und zu den Bergen (hört sich platt an, ist aber wohl so).
Licht   Eigentlich denkbar unschönes Licht für Landschaftsfotos, aber schlimmer geht's immer. Man erkennt den Sonnenstand ja schon am Schattenwurf des Baumes, sie stand wirklich noch hoch, die Sonne.
Bonusfaktoren   Abgesehen von der wunderbaren Umgebung, ist es der Einsatz eines recht starken Graufilters, der hier einen Bonuspunkt gesammelt hat. Durch die verhältnismäßig lange Belichtngszeit von 0,6 Sekunden wirkt der Bachlauf nicht so statisch wie sonst auf Fotos die um diese Tageszeit aufgenommen wurden, sondern dynamisch fließend.
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Am Lägh dal Lunghin



Aufnahmesituation   Am letzten Morgen eines dreitägigen Ausflugs mit Zelt zum Lägh dal Lungin im Oberengadin hat sich der Morgen kurz nach Sonnenaufgang nochmals von seiner besten Seite präsentiert: Windstill und ziemlich wolkenlos. Nachdem ich die Gegend durch die zwei vorher dort verbrachten Tage schon kannte, wusste ich auch was ich fotografieren könnte. Also ein eher geplantes Foto.
Technische Daten   Sigma SD9, 27mm (45,9mm KB), f16, 1/30s, ISO100, Stativ. Aufgenommen am 3. September 2007 um 7:31.
Motiv   Hier ist eindeutig die perfekte Spiegelung im Lägh dal Lungin der Berge im Hintergrund bzw. der Felsen im Vordergrund das Hauptmotiv. Es ist in dem Fall nicht wirklich wichtig um welche Berge es sich handelt.
Bildgestaltung   Komischerweise liegt der Horizont fast genau in der Mitte. Dadurch, dass das Foto allerdings von Blautönen dominiert wird, fällt das beim Betrachten garnicht so stark auf. Der Bildschwerpunkt wird durch die Felsen im See etwas nach unten verschoben und landet damit etwas außerhalb der Mitte.
Licht   Sonnenaufgang war an dem Tag etwa 45 Minuten bevor ich das Foto aufgenommen haben. Die Sonne stand um die Uhrzeit schon über den Bergen, knapp links außerhalb des Fotos. Gerade für solche Spiegelungsaufnahmen ist das ein recht dankbares Licht.
Bonusfaktoren   Maximal die perfekte Spiegelung der Berge in diesem seltenen, windstillen Moment an diesem Morgen. Anonsten ist es eine doch eher gewöhnliche Szene, zumindest für einen hochalpinen Bergsee.
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Was kann man daraus jetzt lernen?

Mir ist natürlich bewusst, dass diese Bildanalysen absolut subjektiv gefärbt sind. Trotzdem hoffe ich, dass ein paar meiner Gedankengänge vielleicht zum Überlegen angeregt haben? Auf jeden Fall will ich zum Abschluss noch ein paar der Punkte, die in den Beschreibungen angesprochen wurden, zusammenfassen und noch etwas erklären.

Kameraperspektive

Auch wenn man im Normalfall die Umwelt aus Augenhöhe wahrnimmt, kann es durchaus von Vorteil sein, sich doch einfach mal nach etwas weiter unten oder weiter oben zu begeben. Gerade richtig tiefe Kameraperspektiven lassen in der Landschaftsfotografie bei Verwendung von (Super)Weitwinkelobjektiven kleine Dinge richtig groß erscheinen. Wer hätte z.B. gedacht, dass bei diesem Foto: Klick mich an der ausgetrocknete und aufgesprungene Boden nur ca. 4m² Fläche eingenommen hat? Die tiefe Kameraposition in Verbindung mit viel Weitwinkel macht's möglich. Also einfach mal die Umwelt aus einer anderen als der eigenen Augenhöhe anschauen, das kann und wird wohl auch für manches Aha-Erlebnis sorgen.

Fotografierrichtung bei Sonnenauf- bzw. untergang

Die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. So grob gesagt wenigstens. Die meisten fotoaffinen Mitmenschen richten dann auch bei Sonnenaufgang ihre Kameras Richtung Osten und bei Sonnenuntergang gen Westen. Allerdings ist es durchaus empfehlenswert das alles einfach mal ganz mutig umzudrehen. Nicht selten gibt es das interessantere Licht genau in die anderen Richtungen. Also bei Sonnenaufgang z.b. in Richtung Westen. Interessanter unter anderem deshalb, weil die Kontraste nicht ganz so stark sind und sich leichter handhaben lassen. Aber auch farblich bietet die Gegenrichtung zum Sonnenauf- bzw. -untergang oft Schönes.

Ordnung im Foto

Viele der Fotos die angenehm anzuschauen sind, sind ziemlich einfach aufgebaut. Weniger ist mehr, auch in diesem Fall. Es geht dabei nichtmal darum, dass wirklich fast nichts auf dem Foto zu sehen ist (wobei auch das seine Reize haben kann), sondern mehr darum, dass die Objekte auf dem Foto zumindest alle in jeweils ähnlichen Gruppen zusammengefasst sind und vor allem auch als solche wahrgenommen werden. Dazu hier zwei Beispiele (mit der Maus darüber fahren um die, meiner Meinung nach, zusammengehörenden Einheiten sichtbar zu machen).

Als erstes Beispiel eines der ganz einfach aufgebauten Fotos mit eindeutig erkennbarer Ordnung: Die Sumpfschwertlilie im Sonnenaufgang bei Nebel und Hochwasser.



Die erste Einheit (1) bildet die Sumpfschwertlilie samt Spiegelung. Die zweite Einheit (2) wird aus der Horizontlinie mitsamt ihrer Spiegelung im Wasser gebildet. Beide Einheiten zusammen kommen, und das macht die Ordnung in dem Fall besonders einfach, auf einem blauen und fast kontrastfreiem Hintergrund zum "Liegen" (Himmel und Wasser).

Als zweite Beispiel soll eines der Alpenfotos aus dem Val Roseg herhalten. In dem Fall eigentlich eine ziemlich komplexe Angelegenheit aus vielen verschiedenen Objekten im Motiv.



Die erste Einheit (1) bildet der nahe Vordergrund im rechten unteren Eck: Ein Haufen Steine mit in verschiedenen Größen und mit, ich nenn es mal Dreck, gemischt. Die Einheit wird in dem Fall dadurch gebildet, dass bis auf kleine Unterschiede zumindest Farben, Helligkeit und Kontraste sehr ähnlich sind.

Die zweite Einheit (2) bildet der Wildbach im Tal. Abgegrenzt zur Umgebung ist er schon alleine durch den starken Farb- und Helligkeitskontrast.

Die dritte Einheit (3) bildet die kleine Baumgruppe im rechten Mittelgrund. Der Abgrenzung zur Umgebung entsteht hier durch den Unterschied in der Form und in geringerem Maße den Helligkeitsunterschied.

Die vierte Einheit (4) bilden die beschatteten Teile am (im Bild) linken Ufer des Bachs. Abgegrenzt wird dieser Teil im oberen Bereich durch den Übergang von Schatten und Sonne und im unteren Teil durch den Wildbach.

Die fünfte Einheit (5) bildet die Bergkette im Hintergrund. Der Kontrast zur Umgebung entsteht hier durch den Farbkontrast zwischen beschneiten und nicht beschneiten Regionen bzw. dem Himmel oder auch einfach dadurch, dass es sich dabei um das eigentliche Hauptmotiv, nämlich die Berge, handelt.

Schließlich bildet noch die Wolke am Himmel die sechste Einheit (6), ein einfacher Farbkontrast zum sonst blauen Himmel.

Es gibt natürlich auch andere Methoden ein Motiv auseinanderzunehmen, meine Analyse soll in dem Fall nur eine mögliche davon zeigen. Zumindest kann man so erkennen, dass es auch auf diesem recht komplexen Foto eine Ordnung gibt.

Verwendung von Filtern

Ist zwar ein ziemlich alter Hut, aber manchmal macht schon alleine die Verwendung eines Grau-, Grauverlaufs- oder Polarisationsfilter den Unterschied zwischen einem Gähn- und einem Wow!-Foto aus. Das sind ja alles keine unbekannten Hilfsmittel diese Filter, aber viel zu oft wird ihr Einsatz scheinbar für nicht wichtig erachtet bzw. gedacht, dass man das sowieso hinterher alles am Computer machen könnte.

Zum Teil stimmt das auch: Zumindest den Grauverlaufsfilter (Artikel dazu) kann man gleichwertig oder besser hinterher umsetzen. Allerdings nur dann, wenn man entweder direkt vor Ort zwei Aufnahmen macht (jeweils Vorder- und Hintergrund richtig belichtet) oder wenn die RAW-Datei genug Spielraum in Sachen Kontrast besitzt um direkt bei der Entwicklung aus einer Aufnahme einen Grauverlauf zu realisieren.

Den Graufilter dagegen kann man nicht hinterher hinbiegen. Eine lange Belichtungszeit, die einen Bach richtig fließend aussehen lässt oder die dafür sorgt, dass eine Wiese dynamisch im Wind verweht rüberkommt, das kann man hinterher am Computer nicht wirklich zusammenschustern.

Was den Polfilter betrifft gilt genau das Gleiche: Während man einen polfiltertiefblauen Himmel hinterher vielleicht noch via Bildbearbeitung nachahmen kann, dürfte es spätestens mit dem Entfernen von Spiegelungen (kann in der Landschaftsfotografie bei Bächen, Flüssen, Seen oder auch nur nassem Laub durchaus praktisch sein) dann richtig schwierig werden...

Auf das richtige Licht warten

Tja, das ist meiner Meinung nach der wichtigste Teil überhaupt. Und gleichzeitig auch einer, der aus meist sogar nachvollziehbaren Gründen vernachlässigt wird. Man hat ja wirklich nicht immer die Möglichkeit bei Sonnenauf- oder -untergang in der Landschaft zu sein, die man gerade am liebsten fotografisch festhalten würde. Gerade im Sommer ist der Sonnenaufgang viel zu früh und wenn die Sonne dann endlich mal untergeht, hat man auch nicht unbedingt Lust nochmal vor die Tür zu gehen. Im Winter, wenn die ganze Sache dann zu Uhrzeiten passiert, zu denen man eigentlich recht komfortabel fotografisch unterwegs sein könnte, ist es dann zu kalt... Irgendeine Ausrede findet sich fast immer. Allerdings: Wenn der innere Schweinehund endlich mal besiegt ist, wird man schnell herausfinden, was man bisher doch alles verpasst hat. Auch eine an sich bekannte Landschaft erscheint dann plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes, in einem ganz anderen Licht.

Ungewöhnliches suchen und nutzen

Man könnte es wohl fast als Regel bezeichnen: Je ungewöhnlicher ein Motiv oder die Aufnahmesituation ist, desto spannender wirkt es bzw. sie - vorausgesetzt das Foto ist sowohl technisch als auch vom Aufbau her einigermaßen gut umgesetzt. Was als ungewöhnlich betrachtet wird, ist natürlich vom jeweiligen Betrachter abhängig. Ich zähle dazu zum Beispiel Dinge wie Nebel, Hochwasser, seltene Pflanzen, Situationen mit Tieren, die nicht dauernd im Alltag zu sehen sind. Wenn man die Sache ganz streng angehen will, kann man auch direkt die Sonnenaufgangsstimmung dazu zählen. Wer kommt schon im Sommer um vier Uhr Morgens in den Genuss einen vernebelten Sonnenaufgang über einer Sommerwiese voller Tau selbst live zu erleben?

Zum Schluss

Ich hoffe ja, dass das Lesen dieses Artikels vielleicht den ein oder anderen Hinweis zum Optimieren der eigenen Landschaftsfotografie gegeben hat. Wichtig ist es aber auch einfach, sich kritisch mit den eigenen Fotos auseinanderzusetzen. Hilfreich ist es auch sich die Fotos, die einem selbst gefallen mal genauer anzuschauen. Woran liegt es? Zu welcher Tageszeit ist das Foto aufgenommen? Wie sieht es mit dem Bildaufbau aus? Wie wurde das Motiv in das Foto umgesetzt? Welche Brennweite wurde dazu benutzt? Und aus welcher Perspektive benutzt? Kamen Filter zum Einsatz? Wenn ja, welche? Und so weiter...

Und naja, auch wenn es dann hinterher auf den Fotos nicht immer ganz so aussieht, wie man es vor Ort selbst erlebt hat... Das Erlebte kann einem wirklich keiner mehr klauen... ;)

In diesem Sinne, viel Spaß!

31. August 2010

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