Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

Grauverlaufsfilter

Wenn man Landschaften bei gescheitem Licht, also am besten am Morgen oder Abend fotografieren will, dann hat man meistens (oder eigentlich fast immer) das Problem, dass der Kontrastumfang so hoch ausfällt, dass die Kamera bzw. der Film/Sensor die Situation von sich aus nicht mehr sinnvoll darstellen können - da saufen dann entweder die Schatten total ab (wenn man den Himmel richtig belichtet) oder der Himmel wird total überbelichtet (wenn man den Vordergrund richtig belichtet). Auch eine Belichtungskorrektur oder sonstige Einstellungen an der Kamera helfen da nicht mehr weiter. In so einem Fall kann man sich dann entweder mit Belichtungsreihen vom Stativ in Verbindung mit Nachbearbeitung am PC helfen, oder man nutzt einen "analogen" Grauverlaufsfilter.

Ich versuche meine Bilder nach Möglichkeit schon direkt vor Ort so zu fotografieren, dass die Nachbearbeitung, die hinterher am PC noch nötig ist, so gering, einfach und zeitsparend wie möglich ausfällt. Aus dem Grund halte ich persönlich nicht all zu viel von den digitalen Möglichkeiten zur Handhabung von großen Kontrastumfängen. Statt dessen benutze ich einen "analogen" Grauverlaufsfilter, den man vor dem Objektiv platziert. Es gibt zwei verschiedene Arten von Grauverlaufsfiltern: Zum Einen die, die man einfach vor das Objektiv schraubt, zum Anderen die, die man per Adapter vor das Objektiv stecken kann.

Die Schraubvariante halte ich für ziemlich nutzlos, es handelt sich dabei um einen ganz normalen, runden Filter, den man vor der Objektiv schraubt. Die Platzierung des Verlaufs ist dabei vorgegeben und damit wird die Verwendung ziemlich unflexibel. Zwar häufig immer noch besser als ganz ohne Verlauf, aber nicht wirklich universell nutzbar. Besser ist die Variante zum Stecken, dabei handelt es sich um eine Kombination aus einer rechteckigen Plastik- oder Glasscheibe und einem Vorsatz, der am Objektiv angebracht wird, in den man die Scheibe nach Lust und Laune verschieben und verdrehen kann (zur Not lässt sich der Filter auch ganz gut von Hand vor das Objektiv halten). Am verbreitetsten ist dabei das System von Cokin. Die Möglichkeiten damit sind mehr oder weniger unbegrenzt, stören kann höchstens eine zu kurze Scheibe (bei sehr tief oder hoch liegenden Horizonten) oder ein total chaotischer Helligkeitsverlauf der Aufnahmesituation, dem man mit einem geraden Verlauf nicht mehr Herr werden kann.

Bei den Filterscheiben gibt es natürlich Unterschiede. Das schon erwähnte System von Cokin bietet verschiedene Filtergrößen. Wohl am weitesten verbreitet ist das P-System, genauere Informationen zu den verschiedene Formaten gibt es auf der Cokin Internetseite nachzulesen. Neben den verschiedenen Größen der Filterscheiben gibt es auch verschiedene Grauverlaufsfilter: Unterschiede gibt es dabei in der Stärke des Grauverlaufs (also wieviele Blenden der Filter im Verlauf von oben nach unten schluckt) und in der Härte des Übergangs des Verlaufs. Ich persönlich benutze aktuell den P121 (ohne Zusatzbuchstaben) und bin damit in den meisten Situationen zufrieden.

Neben Cokin gibt es noch andere Hersteller von Grauverlaufsfiltern. Im Gegensatz zu Cokin wird für die sehr viel teureren Singh Ray Filter (die man leider in Deutschland nur sehr schwer bekommt) Glas Spezial-Kunststoff benutzt, außerdem ist der Filter länger, lässt sich also weiter verschieben. Ich selbst hab zwar noch keinen Vergleich gemacht, allerdings soll die Singh Ray Version komplett farbneutral sein (also wirklich ein Neutralgrauverlaufsfilter) und im Vergleich fallen wohl auch Farbsäume weg, die die Cokin Filter teilweise verstärken (you get what you pay for!).

Zum Schluss noch zum Vergleich drei Situationen in denen ich jeweils ein Foto ohne (links) und ein Foto mit (rechts) Grauverlauf gemacht habe:

Sonnenuntergang in der Lobau


Am Rhonegletscher


Morgennebel bei Hochwasser


Links:
Cokin
Singh Ray
Lee Filters


5. Mai 2008

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