Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

Google Earth zum Planen von Fotos

Man kann schöne und fotogene Landschaften natürlich auch zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Auto, mit dem Zug oder gar mit dem Flugzeug oder einem Hubschrauber auswählen. Wenn das allerdings aus irgendwelchen Gründen, seien sie konditionell, finanziell oder sonst irgendwie verursacht, gerade nicht möglich ist - oder weil man einfach gerne mal was neues ausprobieren will - dann kann man sich auch Google Earth besorgen.

Was Google Earth ist? Man könnte es als virtuelle Erde bezeichnen. Aber nicht so "langweilig" wie ein Globus, damit kann man zwar auch viel Spaß haben, aber verglichen mit Google Earth wirkt so ein Globus wie ein ordinäres Gänseblümchen neben einer Hand voll blühender Bienenragwurze. Im Gegensatz zu einem Globus kann man nämlich mit Google Earth auch ohne Lupe so nah ranzoomen, dass man, wenn die Datengrundlage passt (was sie inzwischen zum Glück schon in vielen Bereichen tut), einzelne Personen erkennen kann (naja, fast). Doch damit nicht genug, das ganze Gelände wird dreidimensional dargestellt, die Berge sind richtige Berge, die Täler richtige Täler und das Flachland ist auch in Google Earth einfach flach und langweilig (besonders, weil die Darstellung von Bäumen bzw. Vegetation allgemein nicht vorhanden ist).

Also, so alleine das Reisen auf der Landkarte ersetzt und verbessert Google Earth wirklich gut. Besonders die Schweizer Alpen sind einfach nur wunderbar anzusehen und es macht wirklich Spaß dort durch die Landschaft zu reisen (und zu träumen). Aber damit nicht genug und der Titel des Artikels verrät es ja eh schon, man kann mit Google Earth auch ziemlich gut Fotoausflüge planen.

Hier ein Beispiel vom Lägh dal Lunghin im Oberengadin. Woher ich die Idee hatte, dass dieser See vielleicht das Fotografieren wert wäre, weiß ich jetzt aktuell gar nicht mehr, aber zumindest hat der Anblick des Sees in Google Earth (nach der Idee) dank der dreidimensionalen Darstellung der Landschaft die Entscheidung des Ausflugsziels eindeutig vereinfacht. Klar, Details wie kleinere oder größere Felsblöcke kann man in Google Earth nicht erkennen. Genauso wenig kann man direkt in Google Earth erkennen wie das Licht sich zu einer bestimmten Zeit zeigen wird (und das genaue Wetter kann's ja auch nicht vorhersagen ;) ). Aber zumindest die zu erwartende Aussicht (mit theoretisch zu erwartenden Landschaftsspiegelungen im Wasser) kann man damit doch recht gut absichern. Alleine dafür taugt das Programm schon wirklich viel.

Man kann das ganze aber natürlich auch noch ein Stück weitertreiben. In Verbindung mit der Information in welchem Winkel die Sonne zu einer bestimmten Uhrzeit an einem bestimmten Tag steht, kann man, bei Ortskenntnis, auch ganz gut vorplanen wo man was genau fotografieren könnte. Deshalb hier ein Beispiel aus der Lobau in Wien. Nicht ganz wissenschaftlich genau, aber doch genau genug um zu wissen was machbar ist und was nicht. Hier ein Link zu einer Seite, auf der man sich für eine bestimmte Position auf der Erde anzeigen lassen kann wann die Sonne wo genau steht, wann die Sonne auf- und untergeht etc.: Sonne, Mond und Sterne Applet. Von dieser Seite stammt auch der hier gezeigte Screenshot. Die Koordinaten sind jetzt nicht genau die des Platzes in der Lobau wo ich an diesem Morgen fotografieren war, aber auf den paar Metern wird sich da wohl nicht all zu viel tun. Als Uhrzeit habe ich die berechnete Sonnenaufgangszeit für den Tag eingegeben, das war für den 24. April 2008 in theoretisch tiefster Nacht um ca. 05:47. Im Screenshot rot umrandet gibt's dazu dann auf der Seite den Sonnenstand abzulesen: in dem Fall 69,3°. Für die weitere Abschätzung der Position des Sonnenaufgangs in Google Earth wäre jetzt ein auf dem Monitor einblendbares Geodreieck von Vorteil (oder gleich ein Plugin für Google Earth, dass den Sonnenstand direkt in Google Earth ohne Umwege anzeigt, kommt sicher noch).

Also gut, am Morgen des 24. April 2008 gab es allerdings durch den vorhergegangenen starken und umfangreichen Regen und dem dadurch hohen Angebot an Feuchte (und dem Hochwasser) eine wirklich dicke Nebelsuppe an dem von mir ausgesuchten Platz. Die Sonne ging theoretisch auf, zu sehen war davon allerdings erst mal nicht viel. Schließlich konnte man sie sich so in etwa ab 06:20 durch den Nebel kämpfen sehen. Der Winkel des Sonnenaufgangs hatte sich da natürlich auch schon geändert. Auf dem Screenshot erkennt man den Unterschied des Winkels des Sonnenstandes zwischen 05:47 (Sonnenaufgang) und 06:31 (Foto). Viel länger hätte sich das Durchbrechen des Nebels nicht Zeit lassen dürfen, da wäre dann die unfotogene und häßliche Aussichtsplattform (auf dem Screenshot rot eingekreist) mit ins Bild gekommen (wenn man die Sonne nicht direkt an den Rand hätte platzieren wollen, was für den Bildaufbau nun wirklich nicht von Vorteil gewesen wäre).

Zusammenfassend ist Google Earth wirklich ein mehr als brauchbares Programm um Fotos zu planen und Plätze zu finden, an denen sich fotografieren lohnen kann. Insbesondere in Verbindung mit Wanderführern, die ja meistens sowieso in schöne Gegenden führen und mit dessen Hilfe man sich dann vor Ort schon im Vorhinein genauer umsehen kann. Wenn man das ganze dann noch mit dem Sonnenstand kombiniert, kann man auch recht zuverlässig planen, ob auch bei Sonnenauf- bzw. untergang das Fotografieren zu den gewünschten Ergebnissen führen wird. Ich für meinen Teil hab mir jedenfalls meine Ziele für dieses Jahr in den Alpen schon ausgesucht und bin zuversichtlich das, wenn das Wetter mitspielt, die Fotos das auch tun werden.

Nachtrag - 1. Mai 2008:
So wie's aussieht zeigt Google Earth den Stand der Sonne in der aktuellsten Version schon im Programm an ohne das man erst den von mir beschriebenen Umweg gehen muss. Allerdings hab ich es (bisher) weder an meinem PC noch an meinem Laptop hinbekommen, dass die Sonne auch wirklich angezeigt wird.

Nachtrag - 18. März 2009:
Inzwischen beherrscht mein PC die Darstellung der Sonne. Insgesamt ein nettes Feature, allerdings muss ich zugeben, dass mir zur genaueren Planung die hier im Artikel beschriebene "von-Hand-Methode" praktikabler vorkommt. Vielleicht auch eine Frage der Gewohnheit. Auf jeden Fall aber macht Google Earth mit der Sonnenstandanzeige und den dazu gehörenden Schattenwürfen / Farbänderungen in der Landschaft einen grafisch sehr guten Eindruck. Wie wäre es jetzt noch mit dreidimensionalen Wäldern? ;)


Links:
Google Earth
Sonne, Mond und Erde Applet

28. April 2008

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