Natur- und Landschaftsfotografie - Felix Wesch

Es ist nicht die Bearbeitung

Das folgende ist jetzt vielleicht eine etwas egozentrische Abhandlung über meine Fotos, aber irgendwie hab ich den Drang das mal loszuwerden...

Je öfter fremde Leute, egal ob auf meiner Internetseite, in diversen Internetforen oder auch gedruckt, meine Fotos anschauen, desto öfter gibt es auch Kommentare wie: "Die sind aber stark bearbeitet die Fotos". Seltener, aber leider doch auch, kommen richtiggehende Vorwürfe wie "die Bilder sind ja manipuliert" (was sich nach meinem Verständnis wie der Vorwurf einer Fälschung anhört).

Jetzt stellt sich halt grundsätzlich die Frage, was versteht man denn "unter stark bearbeitet"? Was unter "manipuliert"? Ich könnte jetzt natürlich argumentieren, dass das alles nicht wichtig ist, weil doch schließlich nur das Ergebnis zählt. Aber so einfach seh ich das dann auch wieder nicht. Was ich mache bzw. machen will ist Fotografieren und nicht Fotos hinterher am PC via Bildbearbeitungsorgien zu EBV-"Kunstwerken" (o.ä.) umzuwandeln.

Das Wort "Manipulation" ist, zumindest für mich, recht einfach zu beschreiben. Da geht's in meinem Verständnis darum, ob dem Bild irgendwas hinzugefügt wurde, was nicht wirklich da ist, oder entfernt wurde, was in Wirklichkeit da war. Wegstempeln von Dreck am Sensor zähl ich jetzt mal nicht dazu...

Was die Sache mit der "Bearbeitung" oder gar "starken Bearbeitung" betrifft, da wird es natürlich schon komplizierter. Ich frag mich da sowieso öfters, wie Otto Normalverbraucher eigentlich auf die abgefahrene Idee kommt, dass es wirklich unbearbeitete Fotos gibt. Und, noch brennender interessiert mich dann, wie er (also Otto Normalverbraucher) auf die Idee kommt, dass nur unbearbeitete Fotos (was auch immer das jetzt genau sei) die Realität zeigen. Darüber könnte man sicher Abhandlungen schreiben und mir selbst würde auch viel dazu einfallen, aber das erspar ich mir (und allen anderen) hier jetzt besser.

Nach meinem Verständnis sind meine Fotos eindeutig keine Manipulationen. Bearbeitet sind meine Fotos natürlich. Aber wie gesagt, es gibt sowieso keine unbearbeiteten Fotos, die gab es schon zu Analogzeiten nicht... Damals hat halt Otto Normalverbraucher seine Fotos nicht selbst entwickelt sondern zum Entwickeln abgegeben, da wurde die Bearbeitung halt fremdverbrochen.

So weit, so gut. Bearbeitet sind meine Bilder also, aber wie gesagt nur deshalb, weil es sowieso keine unbearbeiteten Fotos gibt. Ich nehme meine Fotos alle im RAW-Format (im Falle der Unkenntnis über das RAW-Format, bitte diesen Link anklicken) auf. Deshalb muss ich mir bei der Aufnahme keine Gedanken über Sättigung, Kontrast und Schärfe, vor allem aber auch nicht über den Weißabgleich (ganz wichtig!) machen. Und ja, im Großen und Ganzen sind das auch schon alle Dinge, die ich hinterher in meiner unumfassenden Bildbearbeitung, die aus den Rohdaten meiner Kamera fertige Fotos werden lässt, nutze.

Meine Vorgehensweise sieht, wenn ich mit einer mehr oder weniger (normalerweise weniger) gefüllten Speicherkarte von einem Ausflug zurückkomme, meistens (gezeigt an einem Beispielfoto) so aus. Links die unbearbeitete RAW-Datei, rechts die RAW-Datei nach den getätigten Einstellungen:



Man kann also sehen, die einzigen Einstellungen die das "unbearbeitete Original" abbekommen hat sind eine winzige Veränderung bei der Belichtung und ein paar geringe Veränderungen bei Kontrast und der Sättigung. Den größten Einfluss auf die Farben des Fotos hat der Weißabgleich gehabt. Den hab ich hinterher nach persönlichem Empfinden ausgewählt. Das sind allerdings alles Einstellungen, die man auch direkt in der Kamera machen könnte...

Danach werden die Dateien im RAW-Konverter in JPG oder TIFF umgewandelt, dann noch etwaige Flecken, die von Dreck am Sensor herrühren, weggestempelt und dann wird noch fürs Internet verkleinert und nachgeschärft. Das war's dann aber auch schon.

An sich steckt der Hauptaufwand eher darin, zu richtigen Uhrzeit am richtigen Ort zu sein und dann die richtige Ausrüstung (auch und vor allem was Filter betrifft) zu benutzen. Wobei das alles keine Geheimnisse sind. Morgens gibt es oft Nebel und mit einem Grauverlaufsfilter (und sei er digital "simuliert") kann man starke Kontrastumfänge eher in den Griff kriegen. Viel mehr ist es wirklich nicht. Zumindest liegt es nicht an einer starken Nachbearbeitung.

PS.: Wobei ich auch schon mal ein blöd in die Landschaft gestelltes Wanderwegschild weggestempelt habe...

28. Oktober 2008

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